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Mike Hunziker: Der Brätzeli Beck mit grossem Herz

Am Welt MS- Tag am 30.5.21 wird Mike in Reinach seine Brätzeli verkaufen und natürlich Spenden. Kommt vorbei...

Text und Bild: Thomas Moor vom Dorfheftli

Er wäre ein ganz heisser Kandidat für den Prix Courage. Der Reinacher Mike Hunziker lebt seit 2017 mit der Krankheit Multiple Sklerose MS und will als Direktbetroffener MS-Kranke mit seiner im Januar gestarteten Brätzeli-Aktion finanziell unterstützen.

Dass er ein grosses Herz hat, zeigt er gerade jetzt wieder mit diesem wunderbaren Projekt. Seine Stube hat er zur Backstube umfunktioniert und produziert dort dieses knusprige Feingebäck im Akkord. Der feine Buttergebäck-Duft empfängt mich bereits beim Hauseingang. Dieser wird immer intensiver, je näher ich der Wohnstube komme. Und dort spielt die Musik! Soll heissen: Mike Hunziker hat dort sein Brätzeli-Eisen in Position gebracht. Es läuft gerade wieder heiss und die Brätzeli (immer zu acht Stück abgezählt) türmen sich wie Wolkenkratzer im Miniformat in Richtung Stubendecke. Seit Ende Januar hat er bereits 500 Säckli oder umgerechnet 4000 Brätzeli produziert. 8 Franken kostet ein Säckli, 5 Franken davon fliessen in sein Projekt. Buch führt seine Schwester und «Frau Piraten-Beck», Stefanie Sollberger. Beim Soli-Beck in Gontenschwil werden Mikes Brätzeli denn auch verkauft. «Die Idee und die Aktion selber haben richtig eingeschlagen», wie Stefanie Sollberger sagt. Oder anders: Mikes Brätzeli gehen weg wie warme Weggli. Auch via Postweg findet die Köstlichkeit mit Suchtpotenzial den Weg zu ihren Liebhabern. Erfreulich: Es gibt Kunden, die noch zusätzlich einen Batzen obendrauf in das im Laden aufgestellte Kässeli werfen. Die Solidarität ist riesengross und ein Aufsteller für Mike, den Brätzeli-Beck.

Gross ist aber auch der Aufwand, den Mike Hunziker betreibt. Bei der Produktion ist alles generalstabsmässig geplant. Butter steht in 250-Gramm-Mödeli in Reih und Glied in der Küche. «Die Butter muss für die optimale Verarbeitung weich, aber nicht zu weich sein», wie er erklärt. Daneben die Grundzutaten wie Mehl, Kristall- und Vanillezucker sowie noch ein paar Geheimzutaten. Ist der Teig (500 Gramm Mehl und alle anderen Zutaten ergeben ein Kilo) fertig geknetet, werden die Teigstücke ganz genau abgewogen und anschliessend zu Kugeln geformt, welche dann im Duo in das vorgeheizte Brätzeli-Eisen gelegt und gepresst werden. Dort erhalten sie auch das wunderschöne Muster und die goldbraune Farbe. Gerade auch deshalb überlässt Mike Hunziker auch hier nichts dem Zufall. Alle drei Minuten klingelt sein Natel. Nicht etwa deshalb, weil Kunden bei ihm telefonisch Bestellungen aufgeben. Vielmehr ist sein Natel der Timer, oder der Weckruf der Brätzeli, der ihm sagt, dass die gebackenen Teiglinge nun aus dem Solarium befreit werden möchten. Mit einer Kelle werden die Brätzeli dann zum Auskühlen auf ein Gitter gelegt.

Damit ist aber Mikes Arbeit noch nicht zu Ende. Die Brätzeli verpackt er anschliessend selber in Cellophan-Säckli, verschliesst sie mit einem roten Bändeli und versieht die Verpackungen noch mit der Etikette «Mike’s Brätzeli», bevor sie von Stefanie Sollberger abgeholt werden und beim Soli-Beck in den Verkauf gelangen.

Mit dem Erlös unterstützt Mike Hunziker Menschen, die ebenfalls an MS erkrankt sind. Das heisst: Die Schweizerische Multiple Sklerose Gesellschaft wird ihm Projektvorschläge unterbreiten, welche er sich aussuchen und direkt unterstützen kann. Die ausgewählten Familien (wahrscheinlich werden es zwei sein), möchte er vorher unbedingt persönlich kennenlernen, um sich auch ein Bild vor Ort machen zu können. Er selber brauche keine zusätzliche Hilfe. Ihm ginge es gut, da er ja alles zum Leben habe, wie er bescheiden anfügt. Und dieses Brätzeli-Projekt sei zudem eine perfekte Beschäftigungstherapie. Mehr noch: «Mein Bruder blüht richtig auf», wie Stefanie Sollberger sagt.

Bis er ein oder zwei MS-Projekte finanziell unterstützen kann, läuft die Brätzeli-Produktion vorläufig noch weiter. Bereits ist wieder eine Lieferung von 40 Kilo Mehl und ebenso viel Zucker angekündigt. «Ich kaufe online ein, da ich ja nicht auf Einkaufstour gehen kann», wie der Brätzeli-Beck sagt und wieder zwei Brätzeli aus dem heissen Eisen nimmt.

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